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Ob nur ein kleines Diorama, oder eine grosse Modellbahnanlage: Irgendwann will jede Modellbahn fotografisch festgehalten werden. Daher hier ein kleiner Exkurs in die Fotografie. Weniger für ambitionierte Fotografen (die können die folgenden Zeilen getrost überspringen), sondern für Einsteiger, die nur eine billige Digital Kamera haben, aber trotzdem akzeptable Bilder wollen.

Brauchbare Bilder auch mit einer einfachen DigiCam

Fotos Modellbahnanlage

Digitalkamera? Spiegelreflexkamera? Der gute Blick zählt!

Modellbahn und Fotografie haben weitaus mehr miteinander zu tun, als man zunächst denken möchte. Allein schon dadurch, dass auch eine Modellbahnanlage im Grunde genommen nichts anderes darstellt als ein Abbild der Realität. Durch gute Fotos lässt sich dies noch verstärken. Ein schön gewählter Bild Ausschnitt einer Szenerie, oder von einem Diorama - sowas wirkt immer. Ich habe im Web schon viele an sich schöne Modellbahnanlagen gesehen, die aber fotografisch leider nicht gebührend umgesetzt wurden. Dabei braucht es gar nicht eine hochwertige Spiegelreflexkamera inkl. Makro Objektiv. Mit dem sprichwörtlichen "guten Auge" und ein paar Grundregeln, die wirklich jeder beherzigen kann, lassen sich auch mit einer billig Fotoausrüstung ansehnliche Ergebnisse erzielen.

Tips für Einsteiger

Bei meinen Tips gehe ich also im Folgenden davon aus, dass eine handelsübliche preiswerte Digitalkamera vorhanden ist, und dass die Fotos nur für die Betrachtung am Monitor bzw. das Web gemacht werden; also keine Foto-Ausdrucke. Auch gehe ich davon aus, dass ein Programm für die nachfolgende digitale Bildbearbeitung am Computer vorhanden ist. Da es solche Programme auch als Freeware gibt (z.B.: Gimp), sollte sowas Pflicht sein. Die Anwendung dieser Programme ist keine Hexerei, und ausserdem erweitert die Bildbearbeitung am PC den fotografischen Prozess enorm. Ist ja einer der Hauptvorzüge der digitalen Fotografie überhaupt.


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Los gehts: Die Modellbahnanlage fotografieren

1. Einstellungen an der Kamera: Dies betrifft zwei Punkte, nämlich die Bildgröße, und die Bildqualität. Beides darf nicht verwechselt werden, beides ist wichtig, beides daher auf "maximal" einstellen.
Im Detail:
Die Bildgrösse bezeichnet die Seitengrösse des Fotos in Pixel (Breite x Höhe). Also statt z.B einer Seitengrösse von z.B. 800 x 600 Pixel besser z.B. 3200 x 2400 Pixel, oder mehr. Warum? Der eigentliche Grund ist weniger, weil das Foto dann schärfer ist, sondern: Davon lässt sich hinterher in einem Bildverarbeitungsprogramm besser ein Ausschnitt des Bildes herausgreifen! Wer das begriffen hat, verfügt quasi über eine Zoom Funktion - aber nicht am Kameraobjektiv, sondern in der digitalen Foto Nachbearbeitung! Ein Vergleich der beiden Fotos in diesem Kapitel zeigt, was ich meine!
Nicht zu verwechseln mit der Bildgröße ist die Bildqualität. Dies bezeichnet die optische Qualität des JPG Formats. Da die JPG-Qualität ebenfalls sehr wichtig ist, stellen wir auch dies auf "maximal". Warum? "Schlechter" machen (und somit Dateigröße sparen) geht nachträglich immer. Schlechte Qualität nachträglich verbessern aber geht nicht.

2. Motiv Ausleuchtung: Auf den eingebauten Blitz verzichten! Hört sich unorthodox an, bringt aber bessere Ergebnisse. Eine gute Ausleuchtung erfordert sowieso eine Profi Blitzanlage; die eingebauten Blitz Funktionen einfacher Digitalkameras sorgen eher für unliebsamen Schattenwurf. Für lustige Partybilder mag das noch angehen, aber nicht für eine Modellbahnanlage. Besser also auf andere Art für Raum Ausleuchtung sorgen. So sollte es selbstverständlich sein, dass mit Tageslicht fotografiert wird, sofern Fenster vorhanden sind; und Gegenlicht sollte dabei nach Möglichkeit vermieden werden. Ansonsten wirken ein paar zusätzliche Leuchten oft Wunder. So wurden die meisten Fotos dieser Website ohne Blitz aufgenommen, in einem typischen Hobbykeller (kleines Fenster, wenig Tageslicht), und ohne Stativ. Lichtquelle waren nur 2 Neonröhren an der Decke. Als unterstützendes Licht gab es einzig noch die Stehlampe aus dem Wohnzimmer.

3. Kamera Stativ ist sehr zu empfehlen. Dies erlaubt längere Verschlusszeiten ohne Verwackler.

4. Den Zusammenhang zwischen Blende und Tiefenschärfe verstehen. Salopp gesagt, ist die Tiefenschärfe der Bereich im Bild, in dem alles scharf abgebildet ist. Und scharfe Aufnahmen von Details - das genau wollen wir doch bei Modellbahn Fotos! Eine kleine Blende (was einer großen Blendenzahl entspricht, wie z.B. Blende 16) schafft einen großen Tiefenschärfebereich. Umgekehrt erzeugt eine große Blende (was einer kleinen Blendenzahl entspricht, wie z.B. Blende 3,5) einen kleinen Tiefenschärfenbereich. Für Anfänger ist ein großer Tiefenschärfebereich empfehlenswert. Blende 11 oder 16 sind schonmal ganz gute Werte für den Einstieg. Fortgeschrittene nutzen gern kleine Tiefenschärfebereiche. Hiermit läßt sich zwar kreativ(er) arbeiten; aber man muß Verständnis haben für Raumwirkung und Motiv.

5. Den Zusammenhang zwischen Brennweite und Tiefenschärfe verstehen. Wieder geht es um die Tiefenschärfe, die wir Modellbahner ja so sehr wollen! Diesmal aber im Zusammenhang mit dem Objektiv. Genauer: Dessen Brennweite. Und hier gilt: Je kleiner die Brennweite, desto größer die Tiefenschärfe.
Und was sind nun Brennweiten? 50 mm ist die normale Standard-Brennweite. Sie entspricht dem normalen menschlichen Sehfeld. Das 50 mm Objektiv heißt daher auch "Normalobjektiv". Brennweiten unter 50 mm gelten als Weitwinkelformat (z.B. 35 mm Weitwinkel), Brennweiten über 50 mm als Teleformat (z.B. 105 mm Teleobjektiv). Die beliebten Zoom-Objektive können die Brennweite variieren; ein populäres Format ist z.B. ein 35 - 70 mm Zoomobjektiv.
Doch ob Vario-Zoom oder Festbrennweite: Für Einsteiger empfiehlt sich für den Anfang eine Brennweite von 50 mm oder kleiner. Außerdem fängt das Weitwinkel auch mehr ein von der Modelleisenbahnanlage. Das heißt aber nun nicht, dass das Tele-Format ungeeignet ist für die Modellbahnfotografie. Details, die weit weg sind, können "herangeholt" werden; außerdem "verdichten" Teleobjektive den Raum, was sehr ästhetisch wirken kann.
Extreme Brennweiten, egal ob im Weitwinkel oder Telebereich, sollten aber generell vermieden werden.

6. Motivwahl - der Ausschnitt: In Bild-Ausschnitten denken. Eine Nachbearbeitung am PC ist immer empfehlenswert, um das Bild zurecht zu schneiden. Das spätere Foto muss also nicht zwingend identisch sein mit dem, was Du im Display des Kamera Suchers siehst. Siehe auch Punkt 1 "Bildgrösse", oder Punkt 10!

7. Motivwahl - die Perspektive: Eine Vogelperspektive ist zwar vonnöten, wenn ein grösserer Überblick über die Modellbahnanlage gegeben werden soll. Realistischer aber wirken Fotos mit dem Blickwinkel wie aus dem Lokführerstand. Also: Kamera auf Gleis-Höhe!

8. Motivwahl - die Hintergrundkulisse: Wenn die Modellbahn über keine Hintergrundkulisse verfügt, dann auf andere Weise für einen neutralen Hintergrund sorgen. Kein Mensch interessiert sich für die tolle Werkbank hinten rechts im Hobbyraum! Also weisse Wand, oder wenigstens mit einem weissen Bettlaken o.ä. abdecken. Warum? Die Antwort gibt der nächste Punkt:

9. Bildbearbeitung - Motiv freistellen. Der Schnappschuss ist also jetzt im Kasten. Damit kommt nun die PC Ebene ins Spiel. Falls doch ein unerwünschter Hintergrund zu sehen ist: Bessere Bildbearbeitungsprogramme verfügen über eine sogenannte Freisteller Funktion. Hiermit kann der Hintergrund ausgewählt werden, und dann stattdessen mit neutraler, also z.B. weisser Hintergrundfarbe gefüllt werden. Deshalb auch der Bettlaken Tip, denn das Freistellen geht umso leichter, wenn der Hintergrund sowieso einigermassen einheitlich ist. Jedes Wandregal im Hintergrund einzeln freizustellen und weg zu retuschieren - das ist nur was für Leute, die zuviel Zeit haben.

10. Bildbearbeitung - eigentlichen Bildausschnitt festlegen. Erklärt sich von selbst. Alle Bildbearbeitungsprogramme haben diese Funktion.

11. Bildbearbeitung - Aufhübschen. Stimmt das Bild grundsätzlich, dann als Faustregel: Je kleiner das Foto, desto mehr Helligkeit, Farben und Kontraste verträgt es. Bessere Bildbearbeitungsprogramme haben entsprechende Menupunkte. Zum Schluss noch den Filter "Bildschärfe" - und fertig.


Drucken oder Monitor? Dateiformat und Bild-Auflösung

Das Bild ist also fertig, nun kommt die Bildausgabe. Da dürfen 2 Dinge nicht verwechselt werden: Zum einen die Breite und Höhe des eigentlichen Bildes (= Abmessungen in Pixel), zum anderen die Auflösung in dpi (= dots per inch).
Zunächst die Abmessungen: Für die Betrachtung am Monitor bzw. im Internet auf den diversen Fotoplattformen reichen als Grösse etwa 1200 x 900 Pixel (nicht jeder hat ein 24 Zoll Cinema Display!) bzw. je nach Seitenverhältnis auch 1200 x 800 Pixel (= 3:2).
Beim direkten Einbau in Webseiten deutlich kleiner (800 x 600 sind ein guter Richtwert), denn beim Screening für Websites müssen noch Navigation und Inhalt miteinkalkuliert werden. Bild also entsprechend skalieren auf passende Endgrösse. Größer geht grundsätzlich auch, sollte aber dann begründet sein.
Dann die Auflösung: Immer 72 dpi, da Monitore sowieso nur im 72 dpi Modus anzeigen können. Mit höherer Auflösung können Monitore nix anfangen! Also: Elektronische Betrachtung = 72 dpi; höhere Auflösungen sind nur für Print nötig.
Ausgabe schliesslich im Dateiformat "jpg". Um Dateigrösse zu sparen, kann die JPG-Kompression runter auf bis zu 80 Prozent, das reicht für die meisten Fälle. Wichtig: Die Reduktion der Datenmenge geschieht bei der jpg Komprimierung destruktiv, d.h. entsprechende Bild Informationen gehen unwiderruflich verloren. Also vor der jpg Komprimierung immer das Original als Backup aufbewahren!

Zoom ohne Zoom-Objektiv

Hokuspokus am PC - und schon hat man eine brauchbare Nahaufnahme: Das Foto rechts vermittelt einen ganz anderen Eindruck als das Foto eingangs dieser Seite. Tatsächlich handelt es sich nur um einen Ausschnitt desselben (nicht zu verwechseln mit Zoom!). Kein Teleobjektiv, kein Makro - die Funktion "Bildausschnitt" machts möglich!

Bereits beim Knipsen in Bildausschnitten denken!

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