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Ob kleines Diorama, oder große Modellbahnanlage: Irgendwann will jeder seine Modellbahn fotografieren. Daher hier ein kleiner Exkurs in die Fotografie. Weniger für ambitionierte Fotografen (die können die folgenden Zeilen getrost überspringen), sondern für Einsteiger, die nur ein Handy bzw. eine günstige Digital Kamera haben, aber trotzdem akzeptable Bilder wollen.

Brauchbare Bilder auch mit bescheidenen Mitteln

Fotos Modellbahnanlage

Handy-Cam? Spiegelreflexkamera? Der gute Blick zählt!

Modellbahn und Fotografie haben weitaus mehr miteinander zu tun, als man zunächst denken möchte. Allein schon dadurch, dass auch eine Modellbahnanlage im Grunde genommen nichts anderes darstellt als ein Abbild der Realität. Durch gute Fotos lässt sich dies noch verstärken. Ein schön gewählter Bild Ausschnitt einer Szenerie, oder von einem Diorama - sowas wirkt immer. Ich habe im Web schon viele an sich schöne Modellbahnanlagen gesehen, die aber fotografisch leider nicht gebührend umgesetzt wurden. Die teuerste Fotoausrüstung nützt nichts, wenn das sprichwörtliche "gute Auge" fehlt oder ein paar simple Grundregeln nicht befolgt werden, die wirklich jeder beherzigen kann.

Für meine Website hier kam bei den älteren Projekten vor 2009 noch eine billig Digicam zum Einsatz. Danach wurde mit dem Smartphone dokumentiert. Viele dieser älteren Fotos sind natürlich noch immer hier zu sehen, und zwar deshalb, weil sie "funktionieren". Auch wenn deren "fotografische Qualität" im engeren Sinne nur mäßiger Durchschnitt ist, so habe ich keine Veranlassung, diese Bilder zu entfernen. Warum auch. Der gemogelte Kopfbahnhof oder auch diese Kleinanlage existieren ja nicht mehr, weil sie inzwischen zurückgebaut sind. Die Erinnerung soll natürlich bleiben.

Erst vor kurzem habe ich "aufgerüstet" in Form einer hochwertigen Spiegelreflex Kamera. Bei neueren Projekten, wie etwa dem diesem Hafen, sieht man den Unterschied.

Modellbahn fotografieren: Tips für Einsteiger

Quicklinks zum Stöbern:
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Meine Tips beziehen sich also in Wesentlichen auf digitale (Spiegelreflex-) Kameras, wo man Grundfunktionen wie Blende, Verschlusszeit oder Weißabgleich selber einstellen kann. Auch preiswerte Spiegelreflexkameras haben diese Grundfunktionen.
Das bedeutet nicht, dass die eingebauten Kameras von Handys nicht geeignet sind. Die Fotofunktionen aktueller Smartphones sind inzwischen sehr leistungsstark. Außerdem sind diese mobilen Tausendsassas so klein und handlich, dass sie sich direkt auf dem "Bahnsteig" oder im "Gelände" platzieren lassen, was eindrucksvolle Aufnahmen ermöglicht. Viel einzustellen gibt es aber bei Smartphones nicht, auch ein Objektivwechsel ist nicht möglich. Daher sind sie auch wenig erklärungsbedürftig.
Im Übrigen gehe ich davon aus, dass auch ein Programm für die nachfolgende digitale Bildbearbeitung am Computer vorhanden ist. Warum? Da Fotos sowieso in digitaler Form vorliegen, ist eine Bildbearbeitung-Software meiner Meinung nach Pflicht, denn sie erweitert den fotografischen Prozess enorm. Diesen gewichtigen Vorteil sollte man also nutzen, zumal es solche Programme auch als Freeware gibt (z.B.: Gimp). Und die Anwendung dieser Programme ist keine Hexerei.


Los gehts: Die Modellbahnanlage fotografieren

1. Einstellungen an der Kamera zur Bildgröße und die Bildqualität. Beides darf nicht verwechselt werden, beides ist wichtig, beides daher auf "maximal" einstellen. Im Detail:
Die Bildgröße bezeichnet die Seitengröße des Fotos in Pixel (Breite x Höhe). Also statt z.B einer Seitengröße von z.B. 800 x 600 Pixel besser z.B. 3200 x 2400 Pixel, oder mehr. Warum? Der eigentliche Grund ist weniger, weil das Foto dann schärfer ist, sondern: Davon lässt sich hinterher in einem Bildverarbeitungsprogramm besser ein Ausschnitt des Bildes herausgreifen! Wer das begriffen hat, verfügt quasi über eine Zoom Funktion - aber nicht am Kameraobjektiv, sondern in der digitalen Foto Nachbearbeitung! Ein Vergleich der beiden Fotos in diesem Kapitel zeigt, was ich meine!
Nicht zu verwechseln mit der Bildgröße ist die Bildqualität des JPG Formats. Diese stellen wir auch auf maximal. Warum? Die JPG Komprimierung arbeitet destruktiv. Das bedeutet: "Schlechter" machen (und somit Dateigröße sparen) geht nachträglich immer. Nachträglich "besser" machen geht aber nicht.

2. Motiv Ausleuchtung: Auf den eingebauten Blitz verzichten! Hört sich unorthodox an, bringt aber bessere Ergebnisse. Eine gute Ausleuchtung erfordert sowieso eine Profi Blitzanlage; die eingebauten Blitz Funktionen handelsüblicher Kameras sorgen eher für unliebsamen Schattenwurf. Für lustige Partybilder mag das noch angehen, aber nicht für eine Modellbahnanlage. Besser also auf andere Art für Raum Ausleuchtung sorgen. So sollte es selbstverständlich sein, dass mit Tageslicht fotografiert wird, sofern Fenster vorhanden sind. Gegenlicht sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Ansonsten wirken ein paar zusätzliche Leuchten oft Wunder. So wurden alle Fotos dieser Website ohne Blitz aufgenommen, in einem typischen Hobbykeller (kleines Fenster, wenig Tageslicht). Lichtquelle waren nur 2 Neonröhren an der Decke. Als unterstützendes Licht gab es einzig noch die Stehlampe aus dem Wohnzimmer. Erst bei Aufnahmen neueren Datums erwies sich ein Stativ als nützlich. Dazu kamen noch zwei Softboxen, das sind Lampen mit indirektem Streulicht, die es bei eBay für kleines Geld gibt.

3. Weißabgleich: Neonröhre, alte Glühlampe, LED Streifen, Tageslicht, Dämmerlicht? Schummrige Hobbykeller mit verschiedenen Lichtquellen stellen für digitale Kameras eine echte Herausforderung dar, an der sie oft scheitern. Die Folge: Farbstich im Bild. Die Ursache liegt darin, daß die Kamera nicht definieren kann, was denn nun die "richtige" Farbe "weiß" sein soll. Der automatische Weißabgleich, der meist als Voreinstellung gesetzt ist, kommt da an seine Grenzen. Profis kennen das als die Farbtemperaturen von Lichtquellen.
Abhilfe: Man muss der Kamera sagen, was die "richtige Farbe weiß" sein soll. Hierfür macht man einen manuellen Weißabgleich. Auch günstige Digicams haben meist diese Funktion. Die Theorie ist simpel: Ein weißes Blatt Papier unter den gegebenen Lichtverhältnissen und Bedingungen bildfüllend abfotografieren, und im entsprechenden Menü dies dann als neue Weiß-Referenz definieren. Wie genau, steht im jeweiligen Handbuch.

4. Kamera Stativ ist ein Muss. Oder wenigstens die Kamera irgendwo auf einen Untergrund aufstellen. Nur dies erlaubt längere Verschlusszeiten ohne Verwackler.

5. Brennweite verstehen: Die Brennweite bezeichnet die Entfernung zwischen Objektiv und Film. Wobei mit "Film" heute die Sensorebene gemeint ist. 50 mm ist die normale Standard-Brennweite. Sie entspricht dem normalen menschlichen Sehfeld. Das 50 mm Objektiv heißt daher auch "Normalobjektiv". Brennweiten unter 50 mm gelten als Weitwinkelformat (z.B. 35 mm Weitwinkel), Brennweiten über 50 mm als Teleformat (z.B. 105 mm Teleobjektiv). Die beliebten Zoom-Objektive können die Brennweite variieren; ein populäres Format ist z.B. ein 35 - 70 mm Zoomobjektiv.
Doch ob Vario-Zoom oder Festbrennweite: Für Einsteiger empfiehlt sich für den Anfang eine Brennweite von 50 mm oder kleiner. Ein Keller hat oft nicht den Platz, um den nötigen Abstand zur Modellbahn zu bekommen, den ein Tele nunmal braucht. Außerdem fängt das Weitwinkel in der Breite mehr ein von der Modelleisenbahnanlage (= Panorama-Effekt). Das heißt aber nun nicht, dass das Tele-Format ungeeignet ist für die Modellbahnfotografie. Teleobjektive "verdichten" den Raum, was sehr ästhetisch wirken kann.
Vermeide aber allzu extreme Brennweiten, egal ob im Weitwinkel oder Telebereich. In der Regel machen die keinen Sinn.

6. Schärfentiefe verstehen. Salopp gesagt, ist die Schärfentiefe der Bereich im Bild, in dem alles scharf abgebildet ist. Die Schärfentiefe hängt ab vom Abbildungsmaßstab. Sie ist somit eine physikalische Gesetzmäßigkeit, der alle Kameras und alle Objektive unterliegen, und darf daher nicht verwechselt werden mit unscharfen Fotos, die aufgrund von Verwackeln entstehen.
Für Anfänger ist ein großer Schärfentiefebereich empfehlenswert, weil hier "mehr" von der Modellbahnanlage scharf abgebildet ist. Fortgeschrittene nutzen allerdings gern kleine Schärfentiefebereiche. Hiermit läßt sich zwar kreativ(er) arbeiten; aber man muß Verständnis haben für Raumwirkung und Motiv.
Übrigens: Korrekt heißt es Schärfentiefe, auch wenn der Begriff Tiefenschärfe ebenfalls oft benutzt wird.

7. Den Zusammenhang zwischen Schärfentiefe, Blende und Brennweite verstehen. Es gilt: Eine kleine Blende (was einer großen Blendenzahl entspricht, wie z.B. Blende 16) schafft einen großen Schärfentiefebereich. Umgekehrt erzeugt eine große Blende (was einer kleinen Blendenzahl entspricht, wie z.B. Blende 3,5) einen kleinen Schärfentiefebereich.
Und wie hängt die Brennweite mit der Schärfentiefe zusammen? Genau genommen gar nicht, denn die Schärfentiefe hängt ja vom Abbildungsmaßstab ab. Da man aber mit einem Tele sehr leicht Objekte oder Details "heranholen" kann (= Abbildungsmaßstab vergrößern), ist der Effekt bei großen Brennweiten offenkundiger.

8. Motivwahl. Jetzt endlich geht es ans Fotografieren. Dabei sind drei Punkte wichtig:
a) Denke in Bild-Ausschnitten! Eine Nachbearbeitung am PC ist immer empfehlenswert, um das Bild zurecht zu schneiden. Habe bereits beim Fotografieren im Hinterkopf, dass Du als späteres endgültiges Foto womöglich nur einen kleinen Ausschnitt nimmst. Dein endgültiges Motiv muss also nicht zwingend identisch sein mit dem, was Du gerade im Display vom Kamera Sucher siehst. Siehe auch Punkt 1 "Bildgröße", oder Punkt 9!
b) Wähle eine gute Perspektive! Eine Vogelperspektive ist zwar vonnöten, wenn ein größerer Überblick über die Modellbahnanlage gegeben werden soll. Realistischer aber wirken Fotos mit dem Blickwinkel wie aus dem Lokführerstand. Also: Kamera auf Gleis-Höhe!
c) Achte auf den Hintergrund! Wenn die Modellbahn über keine Hintergrundkulisse verfügt, dann auf andere Weise für einen neutralen Hintergrund sorgen. Kein Mensch interessiert sich für deine unaufgeräumten Regale oder die Werkbank hinten im Hobbyraum. Also weiße Wand, oder wenigstens mit einem weißen Bettlaken o.ä. abdecken. Warum? Die Antwort gibt der nächste Punkt:

9. Bildbearbeitung: Der Schuss ist also jetzt im Kasten. Jetzt geht es an die Nachbearbeitung am PC. Hier sind ebenfalls drei Punkte wichtig.
a) Motiv freistellen. Falls ein unerwünschter Hintergrund zu sehen ist: Bessere Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop oder Gimp verfügen über eine sogenannte Freisteller Funktion. Hiermit kann der Hintergrund ausgewählt werden, und dann stattdessen mit neutraler, also z.B. weisser Hintergrundfarbe gefüllt werden. Deshalb auch der Bettlaken Tip, denn das Freistellen geht umso leichter, wenn der Hintergrund sowieso einigermassen einheitlich ist. Jedes Wandregal im Hintergrund einzeln freizustellen und weg zu retuschieren - das ist nur was für Leute, die zuviel Zeit haben.
b) Bildausschnitt festlegen. Erklärt sich von selbst. Alle Bildbearbeitungsprogramme haben diese Funktion.
c) Aufhübschen. Stimmt der Bildausschnitt, dann kannst du noch mit Helligkeit, Farben und Kontrasten experimentieren. Bessere Bildbearbeitungsprogramme haben entsprechende Menupunkte. Zum Schluss bei Bedarf noch den Filter "Bildschärfe" - und fertig.


Drucken oder Monitor? Dateiformat und Bild-Auflösung

Ganz zu Schluss kommt die Bildausgabe. Ich gehe davon aus, dass Du das Foto auf digitale Weise veröffentlichen / anschauen willst, also in den Welten des Web, oder Betrachtung am heimischen PC. Und hier gilt: So klein wie möglich, das spart Dateigröße. Beim Druck (etwa auch Poster drucken o.ä.) gelten andere Regeln, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte.
Zwei Dinge dürfen nicht verwechselt werden: Zum einen die Breite und Höhe des eigentlichen Bildes (= Abmessungen in Pixel), zum anderen die Auflösung in dpi (= dots per inch).
Zunächst die Abmessungen: Für die Betrachtung am Monitor bzw. im Internet auf den diversen Fotoplattformen reichen als Grösse etwa 1200 x 900 Pixel (nicht jeder hat ein 24 Zoll Cinema Display!) bzw. je nach Seitenverhältnis auch 1200 x 800 Pixel (= 3:2).
Beim direkten Einbau in Webseiten deutlich kleiner (800 x 600 sind ein guter Richtwert), denn beim Screening für Websites müssen noch Navigation und Inhalt miteinkalkuliert werden. Bild also entsprechend skalieren auf passende Endgrösse. Größer geht grundsätzlich auch, sollte aber dann begründet sein.
Dann die Auflösung: Immer 72 dpi, da Monitore sowieso nur im 72 dpi Modus anzeigen können. Mit höherer Auflösung können Monitore nix anfangen! Also: Elektronische Betrachtung = 72 dpi; höhere Auflösungen sind nur für Print nötig.
Ausgabe schliesslich im Dateiformat "jpg". Um Dateigrösse zu sparen, kann die JPG-Kompression runter auf bis zu 80 Prozent, das reicht für die meisten Fälle. Ausprobieren - manchmal sind sogar bis zu 60% möglich. Wichtig: Die Reduktion der Datenmenge geschieht bei der jpg Komprimierung destruktiv, d.h. entsprechende Bild Informationen gehen unwiderruflich verloren. Also vor der jpg Komprimierung immer das Original als Backup aufbewahren!

Zoom ohne Zoom-Objektiv

Hokuspokus am PC - und schon hat man eine brauchbare Nahaufnahme: Das Foto rechts vermittelt einen ganz anderen Eindruck als das Foto eingangs dieser Seite. Tatsächlich handelt es sich nur um einen Ausschnitt desselben (nicht zu verwechseln mit Zoom!). Kein Teleobjektiv - einzig die Funktion "Bildausschnitt" machts möglich.

Bereits beim Knipsen in Bildausschnitten denken!

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